Am Topasfelsen Schneckenstein
Tannenbergsthal befindet sich im Tal der Kleinen Pyra, einem Zufluss der Zwickauer Mulde, am östlichen Rand des Vogtlandes und an den westlichen Ausläufern des Erzgebirges. Die Ursprünge von Tannenbergsthal gehen auf den Zinnbergbau im 15. Jahrhundert zurück. Später kam dann die Eisenerzgewinnung hinzu.
Gemeinsam mit Schneckenstein gehört der Ort zur Gemeinde Muldenhammer, einem staatlich anerkannten Erholungsort im Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Ihr Verwaltungssitz ist das 1718 erbaute Herrenhaus, heute Gemeindezentrum mit Museum und Café.
Sehenswert sind die evangelische Kirche aus dem frühen 20. Jahrhundert mit ihrer Innenbemalung im Jugendstil und der Eule-Orgel sowie der einzige oberirdische Topasfelsen Europas, „Der Schneckenstein“, dessen Topase bereits im Schatz von August dem Starken funkelten.
In der „Grube Tannenberg“ können Sie dem Berggeist begegnen. Gespickt mit Legenden und Geschichten der Bergleute, vermitteln versierte Bergwerksführer interessante Einblicke in die Arbeit unter Tage. Im direkt angrenzenden Vogtländisch-Böhmischen Mineralienzentrum werden die aus der Region stammenden Mineralien eindrucksvoll präsentiert.
Eine ganz besondere Attraktion ist der Panoramablick in Schneckenstein. Die Schachthalde ist durch Aufschüttungen aus der Zeit des Uranbergbaus entstanden, wurde mittlerweile rekultiviert und einzigartig in die Landschaft integriert. Von hier reicht der Blick ins Obere Vogtland bis hinein ins Westerzgebirge – in die Täler von Klingenthal oder zur Sparkassen Vogtland Arena, einer der modernsten Großschanzen.
Über fast 100 Jahre diktierten die Hammerwerksfamilien Baumann das örtliche Geschehen. Sie erbauten 1718 das Herrenhaus, das als Wohnhaus, Kontor und Herberge für Geschäftsfreunde und Durchreisende diente, bevor es über die Familie von Mangoldt (1749–1835) in das Eigentum der Lattermanns aus Morgenröthe-Rautenkranz überging (1835–1855).
1855 wurde das Hammerwerk stillgelegt und an den Braunschweiger Garnhändler Friedrich Eduard Keffel verkauft, der damit auch das Herrenhaus erwarb. Durch Keffel entstand die erste mechanische Weberei im Königreich Sachsen; später erweiterte er die Produktion um Wachstuch und Kunstleder. Nach der entschädigungslosen Enteignung 1946 per Volksentscheid wurde daraus die Volkseigene Kunstlederfabrik Tannenbergsthal. Nach der politischen Wende im Herbst 1989 in Vogtländische Beschichtungs- und Veredlungs-GmbH umbenannt, ging die Firma kurz darauf in Konkurs – am 26. Februar 1991 endete ein langjähriges historisches Gewerbe aus dem Jahre 1550.
Im Herrenhaus waren nach dem Krieg die Besatzungsmächte präsent, danach wurden Wismut-Kumpel einquartiert. Ab 1956 als „Thälmannhaus“ bezeichnet, waren hier die Klassen 1 bis 4, der Hort und der Kindergarten untergebracht. Nachdem 1977 eine neu gebaute Schule eingeweiht worden war, diente das Haus nur noch als Kindergarten. Ab 1996 stand es leer, bevor es 2004 und 2005 umfassend saniert wurde. Am 25. November 2005 wurde es als Gemeindezentrum mit Museum, Café und Verwaltung der damaligen Gemeinde Tannenbergsthal eingeweiht. Seit Gründung der Einheitsgemeinde Muldenhammer am 1. Oktober 2009 ist es deren Verwaltungssitz.
Klingenthaler Str. 29
08262 Muldenhammer OT Tannenbergsthal